Kunsttherapie

Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar. Paul Klee

Bilder sind ein Ausdruck für die Welt, in der ein Mensch lebt. Verändern sich die Bilder, verändert sich auch der eigene Platz und das Erleben der Welt.
 Jedes Bild und Werk ist ein Ausdruck unserer selbst und spiegelt unsere Eigenart wider. Durch bildnerische Gestaltung kann, wenn auch unbewusst, die eigene Lebensrealität, individuelle Erfahrungen und Beziehungen wahrgenommen werden. Es ist ein Weg, eigene Stärken und Potentiale zu erkennen und weiterzuentwickeln. Bilder können helfen, ein Gleichgewicht herzustellen sowie Konflikte innerer und äußerer Art zu lösen. Veränderung kann spielerisch entdeckt, ausprobiert und künstlerisch erlebt werden.

Kunsttherapie richtet sich an Menschen, die ihr eigenes Wohl und ihre Gesunderhaltung unterstützen möchten. Sie richtet sich aber ebenso an Menschen, die in einer Lebenskrise stecken, oder deren seelische oder körperliche Gesundheit beeinträchtigt ist.

      

 Wie wirkt Kunsttherapie?

Nur die Kunst gibt uns die Möglichkeit, etwas zu sagen, was wir nicht wissen.
(Gabriel Laub)

Alle Kräfte, die im Menschen wirken, drücken sich auch im künstlerischen Prozess aus. Grundlage ist die Annahme, dass der Mensch jederzeit ausdrückt, was und wie er ist, bewusst und unbewusst, sei es momentan oder langfristig. So wie Aussehen, Gang, Stimme und Sprache Ausdruck individueller Persönlichkeit sind, zeigen sich auch seine Eigenart, Stärken und Schwächen im geschaffenen Bild. Die unbewusste Wahl der Farben und Formen, ihre Anordnung im Bild, die Linien und Flächen, Formen und Besonderheiten von plastischen Werken sind ein Ausdruck der individuellen Persönlichkeit. Anhand des geschaffenen Werkes und im Austausch darüber kann eine Art Reflexion stattfinden. 

Verändern sich in kleinen Schritten im Bild bestimmte Elemente, verändert sich auch der ganze Mensch. Ein Blickwechsel wird ermöglicht, eine Veränderung des eigenen Standpunktes, der eigenen Wahrnehmung, und somit der Welt, in der ein Mensch lebt. Auch körperliche Beschwerden können durch diese Methode gelindert oder geheilt werden, oft bevor sie bewusst erkannt oder diagnostiziert werden. Gearbeitet wird stets am Bild selber.

Besonderes Augenmerk liegt auf dem Prozess. Ein Bild wird auf die gleiche Art und Weise erstellt, wie das Leben gelebt wird. So, wie es gemalt wurde, wurde es gemalt, was nicht gemalt wurde, wurde nicht gemalt. Dies spricht für die Lebensrealität eines jeden Menschen. So besteht die Möglichkeit, sich unbewusster Mechanismen bewusst zu werden, Entscheidungen zu überprüfen, Vermeidungen zu erkennen und neue Lösungen zu entdecken. Der Malende kann lernen, andere, neue Schritte zu wagen. Grundsätzlich arbeitet die Kunsttherapie niemals problemorientiert, sondern sucht stets nach Ressourcen und Stärken.

Ein Grundsatz des Lebens ist der stete Wandel und die Suche nach Ausgleich und Harmonie. Nach dem Winter kommt der Sommer, nach dem Tag die Nacht, Mann und Frau, Hell und Dunkel, jeder Pol sucht seinen Gegenpol und kann ohne diesen nicht existieren. In dem geschaffenen Werk können Polaritäten und Einseitigkeiten sichtbar werden. Jede dieser Besonderheiten zeigt sowohl eine Schwächung bzw. Empfindlichkeit, aber ebenso eine Stärke. Dies kann sich in Farben und Formen ausdrücken, im Prozess zeigen oder auch in der Thematik des Gemalten.

Der Begriff Therapie erinnert stets an Krankheit, Diagnose und Pathologie. Kunsttherapie kann bereits vorher ansetzen, schon beginnende Disharmonien aufdecken, entspannen, Ressourcen stärken und für Ausgleich und Wohlbefinden sorgen.